Staedtische Galerie Ueberlingen am Bodensee

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2007

Martin Walser und die Kunst

Martin Walser ist wirklich nicht „das unbekannte Wesen“ vom Bodensee. Seit Jahrzehnten als Autor fruchtbar, bejubelt und umstritten, als Person öffentlich, verehrt und attackiert, als Mensch sensibel, kritisch und authentisch. Vermeintlich kennen wir diesen Großen der Nachkriegsliteratur. Nun aber nimmt Überlingen eine weitgehend unbekannte Facette des prominenten Bürgers in den Fokus: Sein enges Verhältnis zur bildenden Kunst.

Über 100 Exponate aus renommierten Sammlungen machen vom 26.05. bis zum 21.10.2007 in der Städtischen Galerie erstmals die Beziehungen Martin Walsers zur bildenden Kunst sinnlich erfahrbar. Die vom Kulturamt Überlingen zusammen mit dem Autor konzipierte Ausstellung ist wohl das persönlichste und authentischste Projekt des „Walser-Jahres“. International bekannte Künstler des 20. Jahrhunderts wie Herbert Achternbusch, HAP Grieshaber, Johannes Grützke, Horst Janssen und Werner Tübke sind ebenso zu sehen wie Arbeiten von Künstlern aus Walsers engerer Heimat, unter ihnen Bruno Epple, André Ficus, Günter Schöllkopf und Alissa Walser.

Von besonderem Reiz sind die erstmals öffentlich gezeigten zeichnerischen Experimente von Martin Walser selbst. Der in Überlingen lebende Walser öffnet für diesen Anlass erstmals seine private Sammlung und gibt rund 60 Exponate in die Ausstellung. Weitere Leihgaben sind unter anderem dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, dem Museum der bildenden Künste Leipzig und der Stiftung Weimarer Klassik zu verdanken. Zeitlebens pflegte der Autor persönliche Beziehungen zu bildenden Künstlern, die entweder von der literarischen Auseinandersetzung mit Malerei, Skulptur und Zeichnung ausgingen oder in sie mündeten.
Walsers Beschäftigung mit Kunst fand Ausdruck in Reden, Aufsätzen und Artikeln. Wo immer möglich, stellt die Ausstellung Kunstwerke und Texte gegenüber: So lädt sie ein, die Sichtweisen Walsers am Original nachzuvollziehen. Gleichzeitig hat das Publikum die Möglichkeit, seine eigene Wahrnehmung der Kunstwerke zu reflektieren und zu überprüfen.

Die ausgestellten Werke – unter ihnen unbekannte Werke von Tübke ebenso wie zeichnerische Experimente von Walser selbst – reflektieren in einzigartiger Weise die Persönlichkeit, das schöpferische Sehen und die Empfindungskraft, das Temperament und die künstlerische Haltung des Autors. Walsers Skizzen offenbaren Seelenzustände und „zeichnerisches Denken“.

Abbildung: Martin Walser -

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