Staedtische Galerie Ueberlingen am Bodensee

Europäische Mosaikkunst vom Mittelalter bis 1900
Meisterwerke aus dem Weltkulturerbe Vatikan & Petersdom und aus europäischen Museen
16.7. bis 9.10.2011

Unter der Schirmherrschaft von Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan sind vom 16.7. bis zum 9.10.2011 in der Städtischen Galerie Überlingen rund 100 sakrale und profane Mosaiken, Mosaikfragmente und -entwürfe zu sehen: Einen Zeitraum von 1500 Jahren umspannend, geben die Exponate Einblick in die kunst- und kulturgeschichtliche Entwicklung des Mosaiks vom frühen Christentum bis zur beginnenden Moderne. Zugleich führen sie unterschiedliche Techniken vor Augen – das klassische, seit der Antike gebräuchliche Mosaik aus rechteckigen Steinchen, das gegen 1780 in Rom entwickelte Mikromosaik aus geschnittenen Glasfäden sowie die besondere Form des Florentiner Mosaiks aus passgenau geschnittenen und fugenlos versetzten natürlichen Gesteinen.

Aus Rom kommen 24 Mosaiken an den Bodensee, die einen Zeitraum vom frühen Christentum bis zum 19. Jahrhundert umfassen; Leihgeber sind der Petersdom und seine Schatzkammer sowie die Vatikanischen Museen, die Nationalgalerie Villa Borghese und das Museo Napoleonico. Herausragend sind ein frühchristliches Mosaik des "Hl. Petrus" (um 440/450) und weitere mittelalterliche Mosaiken, von denen einzelne erstmals der Weltöffentlichkeit gezeigt werden können, sowie Preziosen der Jahrzehnte um 1800, die mit so genannten Mikromosaiken verziert sind, darunter Antonio Aguattis Schmuckgarnitur der Königin von Neapel, Caroline Bonaparte.

14 Werke des 16. bis 18. Jahrhunderts in Pietra Dura-Technik ("Florentiner Mosaik"), teilweise aus dem einstigen Besitz der Medici, kommen aus Florentiner Museen. Unter ihnen befinden sich so bekannte Stücke wie das gegen 1600 von Francesco Ferrucci für die Fürstenkapelle an San Lorenzo geschaffene Porträt des toskanischen Großherzogs Cosimo I. und das 1619 entstandene Schachbrett nach einem Entwurf von Jacopo Ligozzi.

Das Victoria & Albert Museum London ist mit 14, die Londoner St Paul’s Cathedral mit zehn prominenten und zum Teil monumentalen Leihgaben vertreten, unter ihnen die um 1900 von William Blake Richmond geschaffenen großformatigen Mosaikentwürfe für den Chor der Londoner Kathedrale. Der Kölner Dom leiht sechs Entwürfe zur Mosaikausstattung der Kirche aus dem 19. Jahrhundert nach Überlingen. Weitere Leihgaben reisen aus Berlin an.

Kooperationspartner Studio del Mosaico, Dombauhütte von St. Peter, Vatikan, und Museo dell'Opificio delle Pietre Dure (Florenz)
Schirmherrschaft Bundesministerin Prof. Dr. Annette Schavan
Ausstellungskuratoren Dr. Ottobrina Voccoli (Florenz) und Dr. Michael Brunner (Überlingen)
Förderer und Sponsoren Sparkasse Bodensee | Sparkassenverband Baden-Württemberg | Art Mentor Foundation Lucerne | Erzbischof-Hermann-Stiftung im Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg | Friedrich und Heide Hebsacker | Stadtwerke Überlingen GmbH | Bürgersinn Überlingen e.V. | Stiftung OEW | Gesellschaft der Kunstfreunde Überlingen e.V. | Regierungspräsidium Tübingen | Italienisches Kulturinstitut Stuttgart | Kulturstiftung des Rotary-Club Überlingen
Medienpartner SÜDKURIER

Öffnungszeiten
16.7. bis 9.10.2011
Montag bis Sonntag 10:00 bis 13:00 und 14:00 bis 18:00 Uhr

Eintritt
€ 6,50 / Ermäßigungen



Hl. Petrus (440/450) Mosaik aus der frühchristlichen Basilika San Paolo fuori le Mura. Heute in den Vatikanischen Grotten des Petersdomes, Rom

Höhepunkte der Ausstellung



Der um 440/450 entstandene "Kopf des hl. Petrus" ist das älteste Exponat der Ausstellung. Dieses Mosaik ist der einzige erhalten gebliebene Teil der frühchristlichen Mosaikausstattung von San Paolo fuori le Mura. Sie entstand im Auftrag von Papst Leo dem Großen (um 400-461) und fiel dem verheerenden Brand der römischen Basilika 1823 zum Opfer. Ein weiterer Höhepunkt unter den frühmittelalterlichen Exponaten ist das nebenstehende "Stifterbildnis Papst Johannes VII." (um 706).



Das in klassischer Technik gefertigte Mosaik der Renaissance ist u. a. durch das "Porträt des Pietro Bembo" aus dem Jahr 1542 vertreten. Valerio Zuccato, einer der prominentesten Mosaizisten des 16. Jahrhunderts an der Markuskirche in Venedig fertigte das außerordentlich malerische Bildnis des venezianischen Kardinals und Gelehrten Pietro Bembo (1470-1547) nach einem Entwurf von Tizian.



Neben dem berühmten, von Giovan Battista Sassi 1619 nach einem Entwurf von Jacopo Ligozzi (1547-1627) geschaffenen Schachbrett ragt unter den ausgestellten "Florentiner Mosaiken" ein kostbares Porträt des toskanischen Großherzogs Cosimo I. de’ Medici heraus, welches der Steinschneider Francesco Ferrucci um 1598 schuf. Das in Pietra Dura-Technik hergestellte Mosaik war für einen privilegierten Standort in der mediceischen Fürstenkapelle an der Kirche San Lorenzo bestimmt, eine der prachtvollsten Kapellen von Florenz.



Mit seinen technisch meisterhaften, bildhaft-malerischen Mosaiken war der zu Anfang des 17. Jahrhunderts in Rom tätige Marcello Provenzale richtungweisend für die Mosaikkunst der Neuzeit. Er ist mit seinem bekannten Eulen-Mosaik aus dem Jahr 1615 in der Ausstellung vertreten, das der einflussreiche Kunstkenner Kardinal Scipione Borghese dem toskanischen Großherzog Ferdinando II. de’ Medici zum Geschenk gemacht hat.



Im ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelten Giacomo Raffaelli und Antonio Aguatti so genannte Mikromosaiken, deren winzige Steinchen aus geschnittenen Glasfäden gewonnen wurden. Sie schmückten vor allem kleinformatige Gegenstände wie (Tabak-) Dosen und Schmuck, die bei Bildungsreisenden in Rom und Damen der Gesellschaft heiß begehrt waren. Unter den herausragenden Stücken der Ausstellung befindet sich u. a. die "Parure", welche Aguatti für Caroline Bonaparte geschaffen hat, die Königin von Neapel, Schwester Napoleons I. und Gattin Joachim Murats. Die Garnitur besteht aus Kollier, Brosche und Ohrgehängen, die mit minuziösen Szenen aus dem Volksleben mosaiziert sind.



Europaweit wurden im 19. Jahrhundert herausragende sakrale und profane Gebäude mit monumentalen Mosaiken geschmückt. Hierbei sind sowohl der Rückgriff auf historische als auch die Umsetzung aktueller Stile zu beobachten. Die Vielfalt der Möglichkeiten vermittelt die Ausstellung u. a. exemplarisch durch Mosaikentwürfe für den Kölner Dom und für die Londoner Saint Paul's Cathedral. William Blake Richmond, dessen von der Arts & Crafts-Bewegung und dem Jugendstil beeinflussten Mosaiken die Chorpartie von St. Paul’s schmücken, ist u. a. mit dem gegen 1900 entstandenen großformatigen Entwurf zum Propheten David vertreten.



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